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Alterstraumatologie

Kooperatives Zentrum für Alterstraumatologie am Diakonie-Klinikum Schwäbisch Hall und Landkreis-Klinikum Crailsheim

Nach einer Reihe internationaler Studien stürzen ca. 30 % aller Menschen über 65 Jahre mindestens einmal jährlich und das Risiko weiterer Stürze ist deutlich erhöht. Von über 80-Jährigen sind es über 40 %. Zu den gravierenden Folgen von Stürzen alter Menschen gehört neben der Sturzangst, welche das Selbstbewusstsein und das Eigenständigkeitsgefühl beeinträchtigt, das hohe Risiko durch sturzbedingte Verletzungen dauerhaft in Autonomie und Selbständigkeit eingeschränkt zu sein.

Bei den hochbetagten Patienten liegt häufig eine multifunktionelle Gangstörung zugrunde, bei der mehrere Sturzrisikofaktoren gleichzeitig vorliegen, z.B. Kraftminderung, Gleichgewichtsstörungen, eingeschränkte Koordination, vermindert Sehfähigkeit, Polyneuropathie und Multimedikation.

In der Altersgruppe der Patienten ab 80 Jahren besteht aufgrund ihrer hohen Vulnerabilität bei jeder akuten Erkrankung ein hohes Risiko weiterer Komplikationen und Folgeerkrankungen, auch aufgrund der vorbestehenden Multimorbidität, wie z.B. Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Herzschwäche, Mangelernährung, Demenz, Depression, Inkontinenz.

So führt ein hüftgelenksnaher Oberschenkelbruch, häufig ein Schenkelhalsbruch in ca. 25 % der Fälle, binnen eines Jahres zum Tode, was dem lebenszeitverkürzenden Effekt eines bösartigen Tumorleidens entspricht. In den übrigen Fällen drohen erhebliche Einschränkungen der Lebensqualität mit Schmerzen, funktionellen Einschränkungen, bleibender Hilfs- und Pflegebedürftigkeit.

Besonders gravierend sind die Sturzfolgen bei gleichzeitig bestehender Osteoporose, was bei jeder 3. Frau und jedem 5. Mann über 50 Jahren der Fall ist. Bei dieser Risikogruppe besteht ein erhöhtes Knochenbruchrisiko nach Stürzen.

Bedingt durch den demografischen Wandel ändert sich die Altersstruktur der Bevölkerung in Deutschland in erheblichem Maße. Hierauf muss sich die medizinische Versorgung einstellen und sich an diese Entwicklung anpassen.

Für die Versorgung älterer , multimorbider Patienten wurde mit der Geriatrie bzw. den geriatrischen Fachabteilungen in den letzten 20 Jahren flächendeckend fachspezifische Versorgungsstrukturen an Krankenhäusern bzw. speziellen Rehabilitationseinrichtungen eingerichtet. Mit den unfallchirurgischen Abteilungen an Krankenhäusern und Kliniken gibt es darüber hinaus eine flächendeckende Versorgungsstruktur für Traumapatienten.

Interdisziplinäre Arbeitsgruppen der Fachgesellschaft für Geriatrie und Unfallchirurgie setzen sich mit diesem Thema seit über 10 Jahren auseinander. Der 1. Kongress mit dem Thema „Alterstrauma“ 2005 in Münster stand für die zunehmende Auseinandersetzung mit diesen Problemen innerhalb der deutschen Unfallchirurgie.

Seit Ende 2014 sind in Deutschland Zertifizierungsverfahren der Fachgesellschaften für eine ganzheitliche und umfassende Versorgung von geriatrischen Traumapatienten, durch eine verzahnte und aufeinander abgestimmte Zusammenarbeit von Spezialisten der beiden Fachbereiche – Unfallchirurgie und Geriatrie etabliert.
Diese umfassen medizinische, pflegerische und therapeutische Aspekte sowie die Einbindung sozialer Belange mit dem Ziel die Optimierung der am spezifischen Behandlungsbedarf des geriatrischen Traumapatienten ausgerichteten stationären Betreuung zu erreichen, sichergestellt durch eine strukturierte, interdisziplinäre Zusammenarbeit aller ärztlichen und nicht-ärztlichen Mitarbeiter der beiden Fachbereiche.

Ansätze der unfallchirurgischen-geriatrischen Zusammenarbeit bestehen im Landkreis Schwäbisch Hall über den geriatrischen Schwerpunkt seit 2010, zeitgleich mit der Einrichtung der Abteilung Akut-Geriatrie im Landkreis.
Seit 2012 hat die interdisziplinäre Arbeitsgruppe Alterstraumatologie Strukturen, Prozesse und Standards beschrieben und festgelegt, die den Anforderungen an ein zertifiziertes Traumazentrum erfüllen.

Das kooperative Zentrum für Alterstraumatologie hat sich mit den geschaffenen Strukturen einer qualifizierten Behandlung älterer Traumapatienten den gesellschaftlichen Herausforderungen und auch der demographischen Entwicklung gestellt, um den immer größer werdenden Zahlen der hochbetagten traumatologischen Patienten auch in Zukunft eine bedarfsorientierte Krankenhausversorgung zu bieten.

© 2018 Diakonie-Klinikum Schwäbisch Hall