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Chaos im Kopf – plötzlich ganz verwirrt

04.12.2018

Was können Ärzte und Pflegende tun, wenn das Gehirn plötzlich aus dem Gleichgewicht gerät und Patienten unter akuten Verwirrtheitszuständen leiden? Meist gehen die sogenannten Delire nach ein paar Tagen zurück. Doch manche Patienten leiden noch lange unter den Folgen. Auch Menschen mit demenziellen Erkrankungen haben während Krankenhausaufenthalten häufig vergleichbare Probleme. Mit neuen Methoden will man diesen Störungen nun besser vorbeugen. Mehr als 30 Besucher konnte Fachbereichsleiterin Gesundheit, Leila Rothmund, zum nunmehr bereits 37. DIAKademie-Abend in der Volkshochschule Schwäbisch Hall zu diesem Thema begrüßen.

Das Trio der Expertenrunde eröffnete Oberärztin Barbara Heckmann, Neurologin am Diakonie-Klinikum, mit einer aufschlussreichen Begriffserklärung des Delirs und was es für Patienten, Angehörige oder für das klinische Personal bedeute, wenn plötzlich ein ganz anderes, oft irrrationales Verhalten auftrete, das über Tage, Wochen und manchmal sogar über Monate anhalten kann. An Orientierungslosigkeit, gestörtem Tag-Nacht-Rhythmus, apathischem oder auch extrem unruhigem Verhalten kann man beispielsweise ein Delir erkennen. Die Symptome zeigen sich meist jedoch nicht dauerhaft, sondern treten phasenweise auf. „Im Prinzip kann jeder Mensch betroffen sein, aber das Risiko für ein Delir steigt mit zunehmenden Alter und Zahl der Begleiterkrankungen deutlich“, so die Neurologin. Ziel sei es immer, bereits zu einem frühen Zeitpunkt das Delir zu erkennen und die Ursachen heraus zu finden, um entsprechende Behandlungsmaßnahmen einleiten zu können.

Bei Patienten auf der Intensivstation sind akute Verwirrtheitszustände nach Operationen keine Seltenheit bestätigt Chefarzt Prof. Dr. Thorsten Steinfeldt von der Klinik für Anästhesie und operative Intensivmedizin im Anschluss. In Deutschland werden jährlich sechs Millionen Delir-Patienten in Krankenhäusern behandelt. Im intensivmedizinischen Umfeld werde der Zustand durch laute Apparate und intensivem Einsatz von pflegerischen und medizinischen Fachkräften verstärkt. Heute wisse man, dass viele Ursachen ein Delir bei Patienten begünstige: von der Tiefe der Narkose, über die Körpertemperatur, der Stärke von Schmerzen bis hin zu Infektionen oder starkem Blutverlust. Mit einer permanenten Kontrolle der Narkosetiefe oder mit viel Ruhe im Anschluss an die Operation, Zuwendung durch Angehörige und einen zügigen Übergang in die „Normalität“ (Tag-Nacht-Rhythmus sowie Bewegung) unterstützt man auf nicht-medikamentöse Weise den Zustand der Patienten auf Intensivstation.

Die Chefärztin der Klinik für Neurologie und Gerontoneurologie, Privatdozentin Dr. Birgit Herting, führte am Ende der Veranstaltung aus, welche unterstützenden Maßnahmen im Neubau des Diakonie-Klinikums für Patienten mit Delir vor allem bei demenziellen Erkrankungen getroffen werden sollen. Diese Patientenzimmer werden mit großen Uhren und Kalendern zur Orientierung ausgestattet. Durch Bildmotive sind die Zimmer leichter auffindbar, es gibt aktivierende Materialien, wie zum Beispiel große Puzzles. Große „Kuschelhunde“ können dazu beitrage, Ängste und Unruhe zu lindern, und damit beruhigende Medikamente einzusparen. All diese Maßnahmen werden in der Hauptsache über Spenden finanziert.

Mit einem neu aufgelegten Ehrenamtsprojekt sucht man im Moment engagierte Personen, die sich vorstellen können Menschen mit Demenz oder Delir zu begleiten.
Ehrenamt:
Informationen zum ehrenamtlichen Engagement kann man auf der Homepage des Diaks finden: www.dasdiak.de. Es gibt unterschiedliche Arbeitsbereiche - alle Ehrenamtliche erhalten professionelle Unterstützung in ihrem Dienst. Klinikseelsorger Hans-Martin Bauer, Tel.: 0791 753-2120, email: hans-martin.Bauer@dasdiak.de
Andrea Laun, Organisation Einzelbetreuung, Tel. 0791 753-4001, email: andrea.laun@dasdiak.de

Bild zu Chaos im Kopf – plötzlich ganz verwirrt

PD Dr. Birgit Herting, Barbara Heckmann, Prof. Dr. Thorsten Steinfeldt

© 2018 Diakonie-Klinikum Schwäbisch Hall