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Aktuelles

Klinik für Diabetiker geeignet

17.04.2019

Knapp zehn Prozent der Deutschen leiden an Diabetes. Das sind etwa acht Millionen Menschen und die Zahl der Erkrankten steigt stetig. Sie alle benötigen eine umfassende und individualisierte medizinische Betreuung. Eine solche Behandlung wird im Diak Schwäbisch Hall schon lange angeboten. Seit Februar 2019 ist das Diak als „Klinik für Diabetiker geeignet“ durch die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) zertifiziert. Die Auszeichnung weist Betroffene und Niedergelassene darauf hin, dass am Klinikum im Umgang mit Diabetespatienten besonders geschultes Personal und eine umfassende Rundum-Betreuung stattfindet.

Professor Dr. Markus Menges ist Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie, Diabetologie und Infektionskrankheiten am Diak und formal Leiter des Diabetes-Teams. „Für die Betroffenen in Schwäbisch Hall und Hohenlohe bedeutet die Zertifizierung durch die DDG den Nachweis einer optimierten Betreuung und Behandlung. Jeder Patient, der aufgrund welcher Erkrankung auch immer bei uns aufgenommen wird, bekommt gleich zu Beginn ein routinemäßiges Screening des Blutes auf erhöhte Blutzucker-werte.“ Der Vorteil der neuen Herangehensweise ist, dass auch Patienten, die noch gar nichts von einer möglichen Diabeteserkrankung ahnen, früh erkannt und damit von Beginn an begleitet werden können.

Individualisiert beraten
Wie eine solche Begleitung aussieht, unterscheidet sich je nach Diabetestyp. Experten sprechen entweder von Diabetes Typ 1 oder Typ 2. Während Diabetes Typ 1 häufig schon im Kindesalter auftritt und auf einem absoluten Insulinmangel beruht, entwickelt sich ein Typ 2 Diabetes hauptsächlich durch Ernährungsfehler, Bewegungsmangel und starkes Übergewicht. Zudem sind rund 50 Prozent der Patienten durch eine erbliche Veranlagung vorbelastet. „Das gefährliche an Diabetes Typ 2 ist, dass in vielen Fällen die Diagnose erst spät gestellt wird- dem Patienten tut ja nichts weh. Damit können erste, durch den Diabetes verursachte körperliche Schäden bereits entstanden sein, wenn die Diagnose gestellt wird.“ Mit dem neuen Konzept soll dem entgegengewirkt werden. Rund 92 Prozent der Diabetespatienten leiden unter dieser Form der Erkrankung, ca. 6 % der Diabetiker an Typ 1 –Diabetes. Für Schwäbisch Hall heißt das: „Im Jahr 2018 haben wir über 3.800 Patienten mit der Haupt – und Nebendiagnose Diabetes behandelt. Diese Zahl zeigt, wie dringend eine durchgehende Betreuung in allen klinischen Bereichen ist“, sagt Professor Menges.

Das neue Zertifikat spornt Ärzte/innen und Pflegekräfte an, die Qualität der Behandlung für Menschen mit Diabetes weiter zu verbessern und damit ein Defizit in der stationären Behandlung zu beheben. Drei der zu erfüllenden Kriterien sind besonders wichtig: Es muss ein diabetologisch versierter Arzt zur Verfügung stehen, Pflegekräfte müssen diabetologisch geschult sein und es muss gewährleistet sein, dass die Blutzuckerwerte bei jedem Patienten geprüft werden. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft ist mit mehr als 9.000 Mitgliedern eine der großen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland.

Gewohnheiten ändern
Nach der Diagnose muss schnellstmöglich mit einer Therapie begonnen werden, um weitere Schäden und Diabetesfolgeerkrankungen zu verhindern. In enger Abstimmung mit Kollegen anderer Fachabteilungen entwickelt das Diabetesteam ein geeignetes Konzept. Diabetes ist eine Krankheit, die alle Organe im Körper betrifft. „Deshalb“, so Professor Menges, „ist es wichtig, dass wir im interdisziplinären Team, beispielsweise mit Kollegen der Gefäßchirurgie oder Neurologie zusammen arbeiten. Inzwischen gibt es viele hoch wirksame Medikamente, mit denen wir die Erkrankung gut steuern können. Enorm wichtiges Element der Therapie ist aber die Veränderung von Lebensgewohnheiten. Hier unterstützen unsere Ernährungsberaterinnen und Diabetesberaterinnen die Patienten. Auch regelmäßige Bewegung muss nach Feststellung der Erkrankung in den Alltag integriert werden“, erklärt Professor Menges. Bei Patienten, die einen BMI über 40 haben, empfiehlt sich ein operativer Eingriff. „Bei der sogenannten metabolischen Chirurgie bekommt der Patient eine Magenverkleinerung oder einen Magenbypass. In der Regel verhilft dieser zu einer sofortigen Verbesserung der Stoffwechselsituation, sogar noch vor der Gewichtsabnahme des Patienten. Diabetesfolgeschäden können so eingedämmt werden“, sagt er. Der Eingriff am Magen begrenzt die Nahrungsaufnahme und behindert die Aufnahme von zu vielen Nährstoffen im Körper.

Die Unterscheidung in Typ 1 und Typ 2 ist wichtig, denn der therapeutische Zugang ist verschieden. Ursächlich für die Entwicklung eines Typ 2 Diabetes ist die Entwicklung einer zunehmenden Insulinresistenz der Zellen in Muskeln, Leber und Fettgewebe, die die Aufnahme der Zuckermoleküle in die Zellen hemmt und damit zum Stau von Zuckermolekülen in den Adern führt. Diabetes Typ 1 wird hingegen von einer fehlgeleiteten Reaktion des Immunsystems ausgelöst, wodurch die Insulinzellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört werden.
„Dass das Diak nun die Zertifizierung als - Klinik für Diabetespatienten geeignet - erhalten hat, ist ein großer Fortschritt in der medizinischen Betreuung der Betroffenen“, betont Professor Menges abschließend. Dies ist nur durch den permanenten engagierten Einsatz aller Mitglieder des Diabetesteams möglich.

Bild zu Klinik für Diabetiker geeignet

Freuen sich über die Auszeichnung – das Diabetes-Team des Diakonie-Klinikums Foto: v. links nach rechts: Prof. M. Menges, Dr. M. Mittnacht, R. Schury, M. Friz, Dr. R. Völker, I. Stoll, Dr. J. Krysl, C. Merkl

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