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Aktuelles

Neuer Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Alterstraumatologie
Prof. Dr. Stefan Huber-Wagner im Interview
01.07.2019

Herr Professor Dr. Huber-Wagner schön, dass Sie zum 01. Juli Ihre Arbeit als Chefarzt im Schwäbisch Haller Diakonie-Klinikum aufnehmen.

Warum und wann haben Sie sich entschieden Arzt zu werden?

Im Alter von etwa zwölf Jahren habe ich zufällig in eine sehr spannende Radiosendung über Unfallchirurgie reingehört. Der befragte Chirurg hat über seine Tätigkeit und sein Arbeitsumfeld berichtet. Das hat mich sofort fasziniert und ich habe ganz gebannt zugehört. Hier ist, denke ich, der Grundstein für mein Interesse am Fach Unfallchirurgie gelegt worden. Ich habe dann vor dem Abitur einige Male im örtlichen Krankenhaus bei Operationen zugesehen, um zu prüfen, ob das für mich tatsächlich in Frage kommt. Mir war sofort klar, dass dem so ist. Daraufhin habe ich das Medizinstudium aufgenommen mit dem expliziten Ziel, Unfallchirurg zu werden. Die Sorge derjenigen Kommilitonen, die bis zum letzten Staatsexamen nicht genau wussten, welches Fachgebiet sie denn jetzt wählen sollten, hatte ich zum Glück nie.

Haben Sie innerhalb Ihres Fachgebietes, der Unfallchirurgie, besondere Interessen?
Ich habe während meines chirurgischen Werdeganges an beiden Münchner Universitätskliniken eine sehr breite Ausbildung erfahren dürfen. Neben der Versorgung von komplexen Gelenkfrakturen, der Frakturendoprothetik, der rekonstruktiven Extremitätenchirurgie liegen mir besonders die Wirbelsäulenchirurgie und die Versorgung von Beckenbrüchen am Herzen.

Gibt es ein Patientenschicksal, das Sie über einen längeren Zeitraum begleitet haben bzw. das Ihnen besonders nahe gegangen ist?
Spontan fällt mir der Fall eines Mannes ein, der aus sehr großer Höhe abgestürzt ist. In Kenntnis des Meldebildes der Leitstelle war dem bereitstehenden Schockraumteam klar, dass es, sofern der hochgradig kreislaufinstabile Patient den Transport per Rettungshubschrauber überhaupt überleben wird, ein extrem herausfordernder Fall werden wird. So war es dann auch. Ich habe schon weit über 1.000 Schwerstverletzte behandelt, aber ein derart massives Verletzungsmuster ist mir kaum in Erinnerung.. Nachdem Bergung und Transport erfolgreich waren, war das gesamte behandelnde Team maximal gefordert. Durch synchrone Notfalloperationen in drei Operationsteams, zusammen mit einer hervorragenden Leistung der Narkoseärzte, ist es letztlich gelungen, das Überleben des Patienten sicherzustellen. Die rechnerische Überlebenswahrscheinlichkeit dieses Patienten betrug 1% (!). Das heißt, dass von 100 Patienten mit einem derartigen Verletzungsmuster erfahrungsgemäß 99 versterben und nur einer statistisch gesehen überlebt. Er musste an die Herz-Lungenmaschine und noch oft operiert werden. Danach ging er nicht ansprechbar in eine Rehabilitationsklinik. Nach neun Monaten hat sich sein Zustand dann erheblich verbessert. Er war häufig zur Nachsorge bei uns. Nach eineinhalb Jahren konnte er sein vor dem Unfall geplantes Studium aufnehmen. Das war ein sehr bewegendes Schicksal. Die Verletzungen waren so schwer, dass sie eigentlich nicht überlebbar waren. Das werde ich nie vergessen.

Sie kommen vom Universitätsklinikum rechts der Isar. Sind die Strukturen der klinischen Arbeit vergleichbar mit denen in Schwäbisch Hall?
Das kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht richtig abschätzen. Ich denke aber schon. Natürlich sind vielleicht nicht alle Spezialdisziplinen wie an einem Klinikum der supramaximalen Versorgungsstufe vorhanden. Dennoch sind auf jeden Fall alle für einen Unfallchirurgen wichtigen Partner-Fachdisziplinen am Diak in hervorragender Weise vertreten. Das war mir sehr wichtig. Als Unfallchirurg können Sie niemals nur alleine agieren, sie brauchen bei komplexen Fällen Partner aus anderen Fachgebieten, um die Probleme interdisziplinär zu lösen.

Warum haben Sie sich für das Diak in Schwäbisch Hall entschieden?
Als ich den Ausschreibungstext im Deutschen Ärzteblatt gelesen habe, hat mich dieser sofort angesprochen. Nach meiner Auffassung war das gesuchte Profil ziemlich genau dem meinigen entsprechend. Außerdem ist das Diak ein renommiertes Klinikum mit einem großen Einzugsgebiet. Meine Vision ist es, zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen und dem gesamten Mitarbeiterteam die Voraussetzungen und die Strukturen vor Ort so fortzuentwickeln, dass die Bevölkerung in und um Schwäbisch Hall bestmöglich unfallchirurgisch und orthopädisch versorgt werden kann.

Gibt es eine Herzenssache, die Sie mit Ihrer Arbeit als neuer Chefarzt verbinden?
Besonders am Herzen liegt mir, dass alle Kollegen, die Mitarbeitenden der Pflege und der Administration mit mir zusammen zu einem begeisterten und vertrauensvollem Team zusammenwachsen. Das ist meiner Meinung nach eine wünschenswerte Voraussetzung für die optimale Behandlung von Unfallpatienten. Nur in einem funktionierenden Team wird jeder einzelne seine Resourcen optimal und freudig einbringen können.

Gibt es für Sie einen guten Ausgleich zum oftmals stressigen Beruf?
Leider verbleibt hierfür bisweilen gar nicht so viel Zeit. An erster Stelle steht immer meine Familie. Das gibt mir Kraft, Rückhalt und auch Erdung. Ferner mache ich sehr gerne Radtouren mit dem Mountainbike, im Winter fahre ich Ski. Auch lese ich sehr gerne und höre Musik. Wenn es die Zeit zulässt, spiele ich auch hin und wieder Klavier.

Der zukünftige Claim von Diakoneo lautet: Weil wir das Leben lieben. Was lieben Sie an Ihrer Arbeit?
Verletzungen jeglicher Art können am gesamten Körper entstehen. Somit ist die Unfallchirurgie ein sehr abwechslungsreiches und gleichzeitig herausforderndes Fach. Das spannende ist, dass man an vielen anatomischen Lokalisationen tätig ist. Kein Bruch gleicht dem anderen. Darüber hinaus können sie durch moderne Operationsverfahren in den allermeisten Fällen eine deutliche Verbesserung für den verletzten Patienten herbeiführen. Man hat somit eine sehr erfüllende und positive Aufgabe. Ferner ist Unfallchirurgie immer Teamarbeit. Auch das ist sehr erfüllend. Insofern, auch ich liebe das Leben und ebenso meine Arbeit.

Eine letzte Frage: Können Sie „Schwäbisch“?
Ich verstehe „Schwäbisch“ auf jeden Fall ohne Wörterbuch! Spaß beiseite, natürlich verstehe ich Schwäbisch. Ich bin im Allgäu aufgewachsen, somit bin ich genau am Übergang vom „Schwäbischen“ zum „Bayerischen“ groß geworden. Sprachlich sehe ich mich also gut gerüstet.

Vielen Dank für das Gespräch!

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